Technik-Ratgeber

Wärmepumpen-Technik:
Typen, Funktion & Komponenten

Wie funktioniert eine Wärmepumpe? Welcher Typ passt zu Ihrem Haus? Und was bedeuten COP, JAZ und Vorlauftemperatur? Alle Antworten in einem Leitfaden.

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Kapitel 1

So funktioniert eine Wärmepumpe

Eine Wärmepumpe funktioniert wie ein umgekehrter Kühlschrank: Sie entzieht der Umgebung (Luft, Erde oder Wasser) Wärme und hebt sie auf ein nutzbares Temperaturniveau an. Dafür braucht sie Strom, aber deutlich weniger, als eine Elektroheizung verbrauchen würde.

Der Kreislauf in 4 Schritten

1. Verdampfen

Kältemittel nimmt Umweltwärme auf und wird gasförmig

2. Verdichten

Kompressor erhöht Druck und Temperatur des Gases

3. Verflüssigen

Heißes Gas gibt Wärme an Heizwasser ab und wird flüssig

4. Entspannen

Expansionsventil senkt Druck, Kreislauf beginnt von vorn

Aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt eine Wärmepumpe typischerweise 3 bis 5 Kilowattstunden Heizwärme. Dieses Verhältnis wird als COP (Leistungszahl) oder über das Jahr gemittelt als JAZ (Jahresarbeitszahl) angegeben.

Einfach gesagt: Eine Wärmepumpe mit einer JAZ von 4 erzeugt aus 1 kWh Strom 4 kWh Wärme. 75% der Energie kommt kostenlos aus der Umwelt, nur 25% aus der Steckdose.

Kapitel 2

Wärmepumpen-Typen im Überblick

Wärmepumpen werden nach ihrer Wärmequelle unterschieden. Jeder Typ hat seine Stärken und eignet sich für unterschiedliche Gebäude und Grundstücke.

Die 5 Haupttypen

🌬️

Luft-Wasser-Wärmepumpe

Nutzt Außenluft als Wärmequelle. Der beliebteste Typ in Deutschland (ca. 85% Marktanteil). Einfach zu installieren, keine Bohrungen nötig. Ideal für Bestandsgebäude und Sanierungen.

Kosten: 11.000 bis 35.000 € JAZ: 3,0 bis 4,0
🌍

Sole-Wasser-Wärmepumpe

Nutzt Erdwärme über Tiefenbohrung oder Flächenkollektor. Höchste Effizienz im Winter, da die Erdtemperatur konstant bei 10 bis 12 °C liegt. 5% Effizienzbonus bei KfW-Förderung.

Kosten: 11.000 bis 47.000 € JAZ: 4,0 bis 5,0
💧

Wasser-Wasser-Wärmepumpe

Nutzt Grundwasser als Wärmequelle. Die effizienteste Variante, aber nicht überall möglich. Braucht zwei Brunnen und eine wasserrechtliche Genehmigung.

Kosten: 15.000 bis 50.000 € JAZ: 4,5 bis 5,5
💨

Luft-Luft-Wärmepumpe

Heizt direkt über die Raumluft, ohne Wasserkreislauf. Funktioniert wie eine Klimaanlage im Heizbetrieb. Günstig, aber nur sinnvoll in sehr gut gedämmten Gebäuden (Passivhäuser).

Kosten: 5.000 bis 15.000 € Kein Wasserkreislauf
🚿

Warmwasser-Wärmepumpe

Erzeugt ausschließlich Warmwasser, keine Heizwärme. Kompaktes Standgerät, das die Umgebungsluft (z.B. Keller) als Wärmequelle nutzt. Ergänzung zur bestehenden Heizung.

Kosten: 2.000 bis 4.000 € Nur Brauchwasser

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Kapitel 3

Bauformen: Split, Monoblock & Hybrid

Neben dem Typ (Wärmequelle) unterscheiden sich Wärmepumpen auch in ihrer Bauform. Das beeinflusst Installation, Platzbedarf und Flexibilität.

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Split-Wärmepumpe

Zwei Einheiten: Außengerät (Verdampfer) und Innengerät (Verdichter/Verflüssiger). Kältemittelleitungen verbinden beide. Vorteil: flexiblere Aufstellung, leiser im Haus. Nachteil: Kältemittelleitungen müssen von einem F-Gase-zertifizierten Betrieb installiert werden.

📦

Monoblock-Wärmepumpe

Alle Komponenten in einem Gerät (außen oder innen). Nur Wasserleitungen zum Haus, kein Kältemittel im Gebäude. Einfachere Installation, kein F-Gase-Schein nötig. Heute die beliebteste Bauform bei Luft-Wasser-Wärmepumpen.

Hybrid-Wärmepumpe

Kombination aus Wärmepumpe und Gas-/Öl-Brennwertgerät. Die Wärmepumpe übernimmt den Großteil der Heizlast, der Brenner springt nur bei Spitzenlast ein. Übergangslösung für schlecht gedämmte Altbauten. Achtung: Kein Geschwindigkeitsbonus bei KfW.

Hochtemperatur-Wärmepumpe

Eine Sonderbauform für Gebäude mit hohem Wärmebedarf: Hochtemperatur-Wärmepumpen erreichen Vorlauftemperaturen von 65 bis 75 °C und eignen sich damit auch für Altbauten mit kleinen Heizkörpern, ohne dass diese ausgetauscht werden müssen.

Kapitel 4

Effizienz-Kennzahlen: COP, JAZ & Vorlauftemperatur

Drei Kennzahlen bestimmen, wie effizient eine Wärmepumpe arbeitet. Sie sind entscheidend für die Betriebskosten und die Förderfähigkeit.

COP (Coefficient of Performance)

Der COP gibt an, wie viel Heizwärme die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom unter Laborbedingungen erzeugt. Ein COP von 4,5 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 4,5 kWh Wärme. Der COP wird bei festen Temperaturen gemessen (z.B. A2/W35 = Außenluft 2 °C, Vorlauf 35 °C) und dient dem Vergleich verschiedener Geräte.

JAZ (Jahresarbeitszahl)

Die JAZ ist der Praxiswert: Sie gibt an, wie effizient die Wärmepumpe über ein ganzes Jahr tatsächlich arbeitet, unter realen Bedingungen. Eine JAZ von 3,5 bedeutet: Über das Jahr gerechnet erzeugt die Anlage aus 1 kWh Strom 3,5 kWh Wärme. Für die KfW-Förderung muss die rechnerische JAZ mindestens 3,0 betragen.

Vorlauftemperatur

Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Heizwasser in die Heizkörper oder Fußbodenheizung geschickt wird. Je niedriger, desto effizienter die Wärmepumpe. Fußbodenheizung: 30 bis 35 °C (ideal). Heizkörper: 45 bis 55 °C (gut). Alte Rippenheizkörper: 60 bis 75 °C (Hochtemperatur-WP nötig).

Faustregel: Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur steigert die Effizienz um ca. 2,5%. Wer von 55 °C auf 35 °C senkt (z.B. durch Fußbodenheizung), spart rund 50% mehr Strom.

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Kapitel 5

Wichtige Komponenten einer Wärmepumpenanlage

Eine Wärmepumpe besteht nicht nur aus dem Gerät selbst. Mehrere Komponenten arbeiten zusammen, damit die Anlage effizient und zuverlässig heizt.

Kältemittel

Das Kältemittel ist das Transportmedium im Wärmepumpenkreislauf. Es verdampft bei niedrigen Temperaturen und nimmt dabei Umweltwärme auf. Moderne Wärmepumpen setzen zunehmend auf natürliche Kältemittel wie Propan (R290), das ein sehr geringes Treibhauspotenzial hat (GWP = 3). Für Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel gibt es 5% Effizienzbonus bei der KfW-Förderung.

Pufferspeicher

Ein Pufferspeicher ist ein isolierter Wassertank, der überschüssige Heizwärme zwischenspeichert. Er verhindert, dass die Wärmepumpe zu häufig ein- und ausschaltet (Takten), und sorgt für eine gleichmäßige Wärmeversorgung. Typische Größen für Einfamilienhäuser: 100 bis 500 Liter.

Inverter-Verdichter

Ein Inverter-Verdichter (Kompressor) kann seine Drehzahl stufenlos anpassen. Statt zwischen „an“ und „aus“ zu wechseln, läuft er permanent auf der exakt benötigten Leistung. Das spart Strom, reduziert Verschleiß und sorgt für gleichmäßigere Temperaturen. Fast alle modernen Wärmepumpen nutzen Inverter-Technik.

Weitere Komponenten

  • Warmwasserspeicher: Separater Speicher für Trinkwarmwasser (150 bis 300 Liter). Alternativ: Frischwasserstation.
  • Heizstab: Elektrischer Backup-Heizer für Spitzenlast oder Legionellenschutz. Typisch: 3 bis 9 kW.
  • Regelung / Smart Home: Steuerung per App, Wetterprognose-Anpassung, PV-Eigenverbrauchsoptimierung.
  • Hydraulischer Abgleich: Einstellung der Durchflussmengen an jedem Heizkörper. Pflicht für KfW-Förderung.
  • Smart Meter: Intelligenter Stromzähler. Ab 2026 Pflicht für KfW-Förderung.
Kapitel 6

Vergleichstabelle: Alle Wärmepumpen-Typen auf einen Blick

Kriterium Luft-Wasser Sole-Wasser Wasser-Wasser Luft-Luft
Wärmequelle Außenluft Erdreich Grundwasser Außenluft
Wärmeabgabe Wasserkreislauf Wasserkreislauf Wasserkreislauf Raumluft direkt
Gesamtkosten 11.000 bis 35.000 € 11.000 bis 47.000 € 15.000 bis 50.000 € 5.000 bis 15.000 €
JAZ (typisch) 3,0 bis 4,0 4,0 bis 5,0 4,5 bis 5,5 2,5 bis 3,5
Platzbedarf Gering Groß (Kollektor) / Gering (Sonde) Mittel (2 Brunnen) Sehr gering
Genehmigung Nein (ggf. Lärmschutz) Ja (Bohrgenehmigung) Ja (wasserrechtlich) Nein
Geräusch 35 bis 50 dB Kaum hörbar Kaum hörbar Innengerät hörbar
Warmwasser Ja Ja Ja Nein
Kühlen möglich Aktiv (Strom) Passiv (fast kostenlos) Passiv Ja (Klimafunktion)
KfW-Effizienzbonus Nur bei Propan-Kältemittel Ja (+5%) Ja (+5%) Nicht förderfähig
Marktanteil DE ca. 85% ca. 12% ca. 3% unter 1%
Ideal für Bestand & Neubau, Universallösung Neubau mit Grundstück, max. Effizienz Grundwasser vorhanden, max. Effizienz Passivhäuser, Zusatzheizung

Unsere Einschätzung: Für 85% aller Einfamilienhäuser ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe die richtige Wahl. Wer ein großes Grundstück hat und maximale Effizienz will, sollte Sole-Wasser prüfen. Wasser-Wasser ist nur dort sinnvoll, wo ausreichend Grundwasser verfügbar ist.

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